Rosina’s All

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Ein Hoch auf die Kultur trotz Corona-Tief

Was mir diesen Sommer fehlen wird

An schönen lauen Sommerabenden gibt es nichts Schöneres als draußen den Klängen der Musik zu lauschen oder ein Theaterstück in wunderschöner Atmosphäre zu genießen. Diese besonderen Erlebnisse können dieses Jahr Coronabedingt nicht bzw. nur sehr eingeschränkt stattfinden.

Die Lockerungen für die Kunst- und Kulturszene kommen viel zu spät. Es wurden viele Fehler gemacht. Ulrike Lunacek zwang dies sogar zum Rücktritt als Kulturstaatssekretärin. Die neue Staatssekretärin für Kultur Andrea Mayer möchte es besser machen. Sie ist in der Szene gut vernetzt und kann aus vorherigen Fehlern Schlüsse ziehen. Wird die neue Corona-Künstlerhilfe als Überbrückungsfond gut und gezielt funktionieren oder eröffnet sie auch so viele Lücken und Probleme wie der Härtefallfond der Wirtschaftskammer?

Lockerungen folgen schrittweise

Veranstaltungen können mittlerweile in beschränktem Ausmaß wieder stattfinden und werden weiter schrittweise geöffnet, doch fehlende Probenzeiten, Umsetzungsschwierigkeiten bei den Regelungen, Planungsunsicherheiten aufgrund der viel zu späten politischen Zusagen und finanzielle Probleme machen es sehr schwer heuer eine Veranstaltung stattfinden zu lassen. Auch Museen dürfen unter Auflagen wieder öffnen.

Künstler in Grafenegg

Künstler in Grafenegg

Grafenegg und die Salzburger Festspiele sind Ausnahmen. Diese haben nicht abgesagt und können somit einen beschränkten Genuss ermöglichen. Trotzdem müssen sie das Programm einschränken, abändern und den Kartenverkauf neu organisieren. Internationales Publikum oder Künstler können aufgrund des eingeschränkten Grenzverkehrs nicht kommen. Der Tourismus bekommt dadurch ebenfalls keinen Aufschwung, wo doch so manche Festspiele normalerweise viele internationale Gäste ins Land locken.

Persönlich betroffen

Ich selbst bin auch betroffen. Wollte ich doch wieder einen schönen Kultursommer genießen. Es wären viele Veranstaltungen auf meinem Plan gestanden, die entweder verschoben oder abgesagt wurden. Kartenumbuchungen udn Verschiebungen sind zwar unangenehm, treffen die Veranstalter aber sehr hart und sind froh, wenn man das bereits bezahlte Geld nicht zurückverlangt.

Da ich seit diesem Jahr wieder mehr Zeit in Wien verbringe (zumindest vor dem Homeoffice), wollte ich endlich alle Künstlerhäuser und Museen besuchen. Gut, dass ich das Musical “Cats” noch im Februar gesehen habe.

Jedermann Reloaded im Burgtheater

Karte für Jedermann Reloaded im Burgtheater

Besonders gut erinnere ich mich an die letzte Kulturveranstaltung in Österreich (oder zumindest im Burgtheater). Am Montag, 9. März 2020, besuchte ich “Jedermann Reloaded” im Burgtheater, da ich ein großer Fan von Phillip Hochmair bin. Einen Tag später, am Dienstag, den 10. März 2020, wurde verkündet, dass Museen und Theater aufgrund der coronabedingten Einschränkungen auf unbestimmte Zeit schließen würden und es vorläufig keine Vorstellungen mehr gebe. Am Tag zuvor war das noch nicht absehbar. Hätte ich etwas geahnt, dann hätte ich die Vorstellung noch viel intensiver genossen und mehr Zeit im schönen Burgtheater verbracht. In Erinnerung wird mir die Vorstellung trotzdem bleiben (auch weil Philipp Hochmair meinen Instagram-Post dazu geliked hat :-P).

Dann kam es zu den großen “Stay at home”- Einschränkungen, die von der Regierung im Nachhinein wohl doch nicht so streng gemeint waren, aber gut. Jeder musste mit persönlichen Verlusten kämpfen. Bei mir war es Gott sei Dank nichts Existenzbedrohendes,wie bei so vielen anderen. Aber auf die Veranstaltungen hätte ich mich schon gefreut. Auch meine heißgeliebten Serien nahmen ein Ende, da vieles nicht mehr produziert, geschnitten oder gedreht werden konnte. Na ja, zur Not schaue ich alte Serien, es gibt genug zu entdecken oder wurde vor Corona fertig.

Aktualität und gesellschaftliche Relevanz

Dabei ist Kultur für uns sehr wichtig. Bei vielen Veranstaltungen stehen daher nicht nur der Genuss und die Unterhaltung im Vordergrund. Die Stücke haben meist einen gesellschaftlichen bzw. politischen Hintergrund und sollen zum Nachdenken anregen, Probleme innerhalb der Gesellschaft aufwerfen und die Selbstreflexion der Zuschauerinnen und Zuschauer in Gang setzen. Auch wenn viele Aufführungen bekannte Klassiker sind, werden durch Neuinszenierungen trotzdem Bezüge zur heutigen Gesellschaft hergestellt. Durch diese Bearbeitung bekommen die Werke einen neuen und aktuellen Charakter.

In dieser Kulturabstinenz habe ich mich online am Österreichischen Vorlesetag beteiligt und aus Hermann Hesse “Siddhartha” vorgelesen.
Funktionieren Vorträge oder Konferenzen online relativ gut, so ist das bei Veranstaltungen nicht der Fall. Zwar wurden einige Übertragungen per Fernsehen ermöglicht, jedoch ist es nicht dasselbe, da das unmittelbare Feedback der Zuschauer und Zuschauerinnen fehlt.

Sommerspiele Melk

Sommerspiele Melk

Das Fotofestival in Baden, wo ich gern gesehener Gast bin und Umweltthemen und den Menschen in den Vordergrund setzt, wurde nicht abgesagt, da es hauptsächlich draußen stattfindet. Unter dem Titel “Renaissance oder Wiedergeburt” kann man wieder vom 14. Juli bis 26. Oktober 2020 Fotokunst internationaler Fotografen in der idyllischen Kurstadt Baden genießen. Die Jubiläumssommerspiele in Melk sind nach längerem Zögern auf nächstes Jahr verschoben. Kleine Veranstaltungen oder Stadtfeste finden meist gar nicht statt.

Fazit

In dieser Situation wurden zwar einige Fehler gemacht, aber im Nachhinein ist es einfach Fehler zu erkennen.Fakt ist, dass die Kunst spielen, stattfinden und sich präsentieren möchte. Die Rentabilität bei einem halbleeren Saal ist jedoch eine andere Frage. Auch kleine Feste und lokale Kultureinrichtungen sind betroffen, genauso wie Musikvereine, wo Proben noch nicht möglich sind. Nur auf großer Bühne hat sich das aufgrund massivstem Druck geändert. Jetzt heißt es erstmals: Bitte warten bis zur nächsten Vorstellung.