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Endlich mal was mit Serien #1 - The Young Pope/The New Pope

Endlich mal was mit Serien!

Eigentlich sollte sich dieser Blog nur um Serien drehen. Das war meine ursprüngliche Intention. Da ich nicht wusste wie ich den Serien-Blog schreiben soll (ohne Kritiken oder Spoilers), habe ich den Blog auf alle Themen ausgeweitet, die mich interessieren und wichtig sind. Eines meiner größten Hobbies ist es Serien, Dokumentationen, Animes, Filme, etc. zu sehen. Ich schaue so ziemlich alles quer durch die Bank. Wenn ich Lust zu lachen habe, dann etwas Lustiges, manchmal auch was Ernstes oder ich möchte etwas Lernen, dann etwas zu Fortbildungszwecken und zur Erweiterung meines (Bildungs-) Horizonts. Was es ein soll hängt von meiner Laune ab. Wenn ich schlecht drauf bin, dann brauche ich was zum Aufmuntern, da würde ein düsterer Krimi nicht passen. Horrorgeschichten schaue ich lieber am Tag, wenn es hell ist, damit ich mich nicht grusele.

Lustigerweise kann ich auf die spontane Frage beim Smalltalk “Cool, welche Serien schaust du so?” überhaupt keine Antwort geben und zugeben, dass man die amerikanischen Standardserien wie bspw. “The Big Bang Theory” oder früher “Malcolm Mittendrin” schaut, ist auch ein bisschen langweilig. Da muss es was Spezielles und Intelligentes sein, manches ist mir auch zu peinlich zuzugeben. Daher habe ich angefangen in meinem Hirn einige Serien fest zu verankern und diese dann wie auf einer Kassette abzuspulen (Dasselbe passiert mir auch mit meinem Musikgeschmack).

The Young Pope

Plakat 'The Young Pope'

Eine davon möchte ich hier vorstellen. Die Serie hat mir wirklich große Freude bereitet und zwar “The Young Pope” und die Fortsetzung “The New Pope”. Sie erfüllt alle Kriterien, wo ich stolz sagen kann, dass ich sie schaue und unterhaltsam finde. Ich versuche Spoiler zu meiden, also könnt ihr ruhig weiterlesen.

Ein Serientipp: The Young Pope/The New Pope

The New Pope

Plakat 'The New Pope'

“The Young Pope” wurde von Paolo Sorrentino für Sky, HBO und Canal+ gedreht und 2016 ausgestrahlt. Wie es sich für eine im Vatikan angesiedelte Serie gehört sind einige Gespräche auf Italienisch, der Rest im Original auf Englisch. Die erste Staffel besteht aus 10 Folgen, jede jeweils circa 50 Minuten lang. Der New Yorker Erzbischof Lenny Belardo wurde als erster US-Amerikaner im Alter von 47 unter der Annahme, dass ein Junger leicht beeinflussbar sei, zum Papst gewählt. Unter seinem neuen Namen Pius XIII. entfaltet er seine starke Persönlichkeit und möchte die Kirche von alten Traditionen zu neuen konservativen Praxen führen. Jude Law strahlt in der Rolle als Papst Pius über beide Staffeln hinweg, auch wenn er in der Zweiten zwar sehr präsent ist, aber nur wenige Zeichen von sich gibt. Silvio Orlando sticht in beiden Staffeln als besonders ehrgeiziger Kardinal Angelo Voiello hervor, der ebenfalls gerne Papst wäre. Nach einer großen Rede von Pius und einem tragischen, offenen Ende in der ersten Staffel wird in der zweiten Staffel “The New Pope” wieder ein neuer Papst gewählt, obwohl Papst Pius XIII weder gestorben war noch abgedankt hat. Deswegen hat sich um ihn ein Heiligenkult gebildet, der so abgeschwächt werden soll.

Die erste Wahl fällt auf einen ebenfalls vermeintlich schwachen und beeinflussbaren Kandidaten (wie in Staffel 1). Doch Franziskus II., welcher auf unterhaltsame Weise dem derzeitigen Papst Franziskus ähnelt, will die katholische Kirche radikal nach dem Vorbild von Franz von Assisi ändern und muss von den Kardinälen aus dem Weg geräumt werden. Die zweite Staffel, ebenfalls von Paolo Sorrentino für Sky, HBO und Canal+ gedreht, wurde 2020 veröffentlicht und umfasst neun circa 50-minütige Folgen. Zusätzlich zu Papst Pius XIII (Jude Law) spielt John Malkovich die Rolle des ruhigen und exzentrischen John Brannox alias Papst Johannes Paul III, der eigentlich nur den Wunsch auf Vergessen hat, und zurückgezogen auf seinem Familienanwesen lebt. Er muss jedoch erst zum Papstsein überredet werden. Im Gegensatz zu Pius konservativer-autoritären Ansicht ist Brannox gemäßigt und Anhänger eines Mittelweges, welcher Liebe und Verständnis in den Mittelpunkt rückt. Im Laufe der Serie treffen beide Päpste aufeinander, auch hier sind Parallelen oder besser Inspirationen vom Treffen zwischen dem emeritierten Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus erkennbar.

Themen

Seit der ersten Staffel gibt es Spannungen, Krisen und Intrigen im Vatikan, welche in Staffel zwei intensiviert werden und durch Terror und Heiligenkult ergänzt werden. Warum ein Radiosender das Atmen eines Papstes überträgt und es viele Anhänger findet oder wie es aussehen könnte, wenn der Papst Marilyn Manson trifft, erfahrt ihr in Staffel 2.

Frauen spielen eine untergeordnete Rolle im männerdominierten Vatikan und werden stark sexualisiert. In Staffel 1 spielt Diane Keaton als Schwester Maria die Staatssekretärin des Papstes, da sie Lenny/Pius im Kloster aufgezogen hat und er dadurch eine starke Bindung zu ihr hat. In der zweiten Staffel protestieren die Nonnen im Vatikan und zeigen, dass es ohne sie nicht geht. Für Österreicher interessant: Nora Waldstätten spielt als Schwester Lisette die Anführerin des Streiks, um für die Rechte der Nonnen zu kämpfen. Sharon Stone hat ebenfalls eine Gastaudienz beim Papst, möchte sie doch die Regelungen und Haltung der Kirche zu Homosexualität ändern. Die anderen Frauen geraten in der Serie jedoch in den Hintergrund.

Im Zentrum steht immer eine Papstwahl und das Streben nach Macht. Geschickt wollen die Kardinäle die Fäden ziehen und suchen einen beeinflussbaren Papst, da sie die Macht im Hintergrund behalten wollen und einen Strohmann nach außen suchen, um ihre teils mafiösen Machenschaften weiter betreiben und Geheimnisse verdecken zu können. Doch jedes Mal ist der neu gewählte Papst eine eigensinnige Figur mit Vorstellungen zur Änderung des Status quo im Vatikan. Der junge Pius ist eine starke Persönlichkeit und folgt seinen eigenen Ideen. Der stille Franziskus II. wartet mit revolutionären Ideen auf und sorgt für einige Lacher beim Zuschauer. Johannes Paul III. ist zwar zurückhaltend, lässt sich aber auch nicht beeinflussen.

Exkurs: Ein Interessantes Bild

Das Treffen zweier Päpste häuft sich in letzter Zeit in den Serien- und Filmarchiven. War es doch 2013 seit vielen hundert Jahren das erste Mal, dass ein Papst zurücktritt. Erst Benedikt XVI. wagte diesen Schritt und zog sich zurück. Das Treffen zweier Päpste findet nicht nur in der Serie “The New Pope” statt, sondern ist auch im Film “Die zwei Päpste” auf Netflix das zentrale Thema. Der Film handelt von der Geschichte des Abdankens von Benedikt XVI. und der Ernennung des neuen Papstes Franziskus. In Erinnerung bleibt die Schlussszene, wo sie gemeinsam das Fußballweltmeisterschafts-Finale 2014 Argentinien gegen Deutschland schauen.

Zwei Päpste

Zwei Päpste - im Vatikan Franziskus und Benedikt XVI (links), in der Serie 'The New Pope'(rechts oben) und im Film 'Die zwei Päpste'(rechts unten)

Man merkt (wie auch auf dem Bild zu sehen ist), dass der Macher der Serie Sorrentino großen Wert auf Prunk und Detail legt. Eine ikonografische und ikonologische Bildanalyse werde ich hier jedoch nicht anschließen.

Was die Charaktere verbindet - ein “Happy End” für alle

Doch nun zurück zur Serie und was die beiden Päpste in der Serie neben ihrem Titel verbindet. Beide Männer haben ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Familie. Der Eine wurde von seinen Hippie-Eltern als Waisenkind vor einem Kloster ausgesetzt und weiß nicht einmal deren Identität. Am Ende der Staffel 1 sieht er seine vermeintlichen Eltern in der Menge stehen. Sind sie stolz auf ihren Sohn? Der Wunsch Papst zu werden, nur um seine Eltern auf sich aufmerksam zu machen und endlich Anerkennung zu bekommen. Der andere kennt zwar seine Eltern, wird aber von ihnen für den Tod seines Bruders (und dem “besseren” Sohn) verantwortlich gemacht. Eigentlich möchte er nicht Papst sein und lieber im Stillen leben, da er für seine Fehler büßen möchte. Auf dem Papststuhl hätten die eltern aber lieber den verstorbenen Sohn gesehen. Beide haben damit ihr ganzes Leben lang zu kämpfen und wurden durch diese Erfahrung stark in ihrer Persönlichkeit geprägt. Am Schluss der zweiten Staffel bewältigen sie es auf ihre Weise und finden ihren Frieden.

Bei vielen Serien oder auch Filmen ist mir aufgefallen, dass es am Schluss eine Art “Happy End” gibt. Dieses Ende ist für jeden Charakter individuell. Die Protagonisten haben ihren Frieden bzw. ihre Berufung gefunden oder ihr Ziel erreicht. Sie sind zufrieden. (Besonders stark ist mir das in der zweiten Staffel von “Die Wege des Herrn” - einer dänischen Fernsehserie über eine Pfarrersfamilie- aufgefallen. Ein Sohn des Pfarrers hat doch noch zu seinem Glauben gefunden nachdem er sein Leben lang nichts fertig gemacht hat und auf keinen Fall in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte). Der Erfolg wird entweder durch harte Arbeit, Überwindung von Grenzen oder Auseinandersetzung mit persönlichen Traumata oder durch hinterhältige Methoden und Bösewichteleien im Serien- oder Staffelfinale erreicht Am Schluss landet dann jeder dort, wo er oder sie hingehört. Bei “The New Pope” finden die zwei Päpste ihren Frieden und die Nonnen und Voiello erreichen ihre Ziele.

“One day I will die, and I will finally be able to embrace you all, one by one. I have faith that I will.”

(Worte von Pius XIII. während einer Rede am Ende der ersten Staffel)