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Der Herrscher und sein Haustier - Teil 2

Geschichte des Hundes als Haustier und seine Bedeutung

Heute fahre ich fort mit meiner kurzen Reihe über den Hund als Haustier und was die Inszenierung mit jenem Tier für Politiker so interessant macht. Habe ich das letzte Mal die Methode und mein allgemeines Interesse plus eine Heranführung erläutert, so steht heute die Geschichte des Hundes als Haustier im Fokus. Zum Großteil stütze ich mich dabei auf das Buch von Wippermann und Berentzen (1999) 1 “Die Deutschen und ihre Hunde”. Es wird der Frage nachgegangen woher die enorme Popularität von Hunden im politischen Portrait kommt und für welche Eigenschaften er steht. Begonnen wird im Mittelalter und ich arbeite mich ins 21 Jahrhundert vor. Der Fokus liegt auf dem deutschsprachigen Raum.

Der Hund für die Jagd …

Im Mittelalter wurden Hunde vom Adel zur Jagd genutzt, sowohl zur Fleischversorgung als auch zum Vergnügen. Die Jagd war damals ein Privileg, welches nur dem Adel vorbehalten war. Durch ihre wertvolle Arbeit bei der Jagd gewann der Hund beim Adel immer mehr an Wert und sie wurden speziell für diesen Zweck hochgezüchtet und spezialisiert Ein weiteres Einsatzgebiet der Hunde etablierte sich im Hoch- und Spätmittelalter an den Höfen als Wachhund und Beschützer. Zusätzlich versammelten sich in den Städten viele streunende Hunde, die als nutzlos galten und Konkurrenten um Lebensraum waren (Marca Brandenburgensis o.J.)2.

Im 10. Jahrhundert tauchten „Bestarien“ auf, die auf antiken griechischen Beschreibungen von Tieren basierten und ihre Merkmale und Verhaltensweisen mit symbolischen Eigenschaften verknüpften. Hunde werden hier als Fährtensucher, Hütehunde, Wachhunde, Jagdhunde und Schutzhunde beschrieben und die Treue des Hundes hervorgehoben und diente als Symbol ehelicher Treue. Auch der Hundezunge wurde ein symbolischer Wert zugesprochen und zwar als Heilmittel für Wunden und Geschwüre herangezogen. Der Wolf hingegen wurde zum Sinnbild des Teufels ernannt (ebd.) 2.

Hund

Hund: ''Ich bin neugierig wie es weitergeht'

… als Symbol der deutschen Nation …

Schon vor den Nationalsozialisten breitete sich die Rassenlehre unter den deutschen Hundezüchtern aus und der Hund musste “deutsch” sein und deutsche Eigenschaften besitzen (ebd., 48)1. Zu Ruhm brachten es auch die Hunde Bismarcks, die als “Reichshunde” in die Geschichte eingingen und wurden so aufgrund der Reichsgründung durch Bismarck genannt. Es waren deutsche Doggen mit den Namen Sultan, Tyras und später Tyras II. Dieser Reichshund wurde zu einem Macht- und Statussymbol der untertänigen deutschen Nation gemacht. Man habe dem Herren und seinem Hund untertänig zu sein, was sich in diesem Ausmaß nur in Deutschland und keinem anderen Land so stark ausprägte (ebd., 48-57)1. Wilhelm II. hielt sich Dackel, da er eine große Jagdleidenschaft hegte. Jedoch wurde der Dackel namens Waldmann im Park des Schlosses Wilhelmshöhe bei Kassel beerdigt und die Tiere wurden auf unterschiedlichsten Skulpturen und Objekten abgebildet (ebd., 58f)1.

Die Nachfrage nach deutschen Rassehunden stieg. Der Hund sollte dem Urhund Wolf möglichst nahekommen (ebd., 69)1 und auch Tiernamen wie Wolf waren gefragt. Denn die Hunde stehen stellvertretend für das deutsche Volk und sollen somit auch für Eigenschaften wie Mut, Ausdauer, Fleiß und Gehorsam (ebd., 70)1. Besonders hervorgehoben hat sich hier der Verein für Deutsche Schäferhunde und gab ideologisch der NSDAP im Hinblick auf die Rassenhygiene und Rassenlehre ein Vorbild (ebd., 62)1.

… besonders der Schäferhund …

Der Schäferhund wurde in unterschiedlichsten Berufsgruppen genutzt und war auch im Krieg einsatzbereit. Dabei diente er oft als Botengänger und im Meldedienst. Dem Hund wurde im Dritten Reich eine bedeutende Rolle zugewiesen. Er durfte mehr als, jene Menschen, die für die Nazis als Untermenschen galten (ebd., 70f)1 und Hunde wurden auch gerne in KZs eingesetzt (ebd., 79). Auch in Zeiten der Not stand der Hund für Normalität, Kontinuität und Zuflucht und für seien deutschen Tugenden wie Folgsamkeit und Disziplin (ebd., 93 1). Der Hund wird zum Spiegel des ihn beherrschenden Charakters. Der Hund trägt die Konflikte des Herrchens und bleibt ihm treu ergeben. Dabei kann das Herrchen seine autoritären Kontrollbedürfnisse ausüben, die man sonst nicht ausleben kann, da der Hund einen Rudelleiter, also Autorität braucht (ebd., 96)1.

… als Kumpel und Freund ….

Das innige Mensch-Hundeverhältnis, welches wir heute kennen, ist jedoch ein Produkt der Moderne (Wippermann und Berentzen 1999, 24)1. Durch den Säkularisierungsprozess der frühen Neuzeit änderte sich das Verhältnis zur Natur. Der Mensch, zu Beginn nur der Adel später auch das Bürgertum und Studenten, öffnete sich der Idee Hunde ohne bestimmten Zweck zu halten (ebd., 27 & 41f)1. Ein Beispiel in der deutschen Geschichte war Friedrich der Große, der die Hundeliebe von seiner Mutter geerbt hatte. Er umgab sich gerne mit seinen Windspielen mit antiken oder französischen Namen. (ebd., 32)1. Er gab Unmengen an Geld für seine Tiere aus und kompensierte seine Menschenverachtung mit Hundeliebe (ebd., 34)1.

Heutzutage dient der Hund als Kumpeltyp, fast jeder hat einen, dafür wird der Hund an seinen eigenen Lebensstil angepasst (ebd., 129 1). Übertrug man früher Eigenschaften auf den Hund, die man selbst nicht besaß aber besitzen wollte bzw. glaubte zu besitzen, wird heute der Hund zu einem exakten Ebenbild geschaffen. Der Hund und sein Herrchen sollen das Vertrauensverhältnis zwischen Staatsoberhaupt und Volk darstellen, dienen aber auch als Sympathieträger (Voss 2007)3. Und Menschen, die sich einen Hund halten, werden positiver wahrgenommen (Lang 2009)4. Jedoch soll auch Macht und Überlegenheit ausgedrückt werden. Diese kann vielfältig sein wie zum Beispiel der Herrscher über die Natur, der Herrscher als Erzieher und Befehlsgeber, der Herrscher als Beschützer und Tierliebhaber (Ronge 2011, 119)5.

… und auf Portraits.

Hunde dienen auf Portraits als Accessoires bzw. Requisiten und verstärken die Selbstdarstellung des Herrchens (Burke 2003, 30) 6 und dienen als narzisstisch besetze Objekte (Wippermann und Berentzen 1999, 98)1 In der italienischen Renaissance stand ein großer Hund bei Männern für Jagd und stellt aristokratische Männlichkeit dar. Ein kleiner Hund wurde meist auf Portraits von Frauen oder Ehepaaren verwendet und soll eheliche Treue symbolisieren (Burke 2003, 30) 6.

Fortsetzung folgt

Beim nächsten Mal wird es richtig konkret, da wir nun alles wissen können endlich Bilder gezeigt und analysiert werden.


  1. Wippermann, Wolfgang und Detlef Berentzen (1999). Die Deutschen und ihre Hunde. Ein Sonderweg der Mentalitätsgeschichte? München: Siedler. ↩︎

  2. Marca Brandenburgensis. (o.J.). Der Hund im Mittelalter. Auf den Hund gekommen – (kl)eine Kulturgeschichte der Beziehung zwischen Mensch und Hund im Mittelalter. online unter: http://www.brandenburg1260.de/hund-im-ma.html (abgerufen am 14.02.2017). ↩︎

  3. Voss, Julia (2007). Wer führt den Hund vom Chef Gassi? FAZ, 03.05.2007, online unter http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politiker-und-ihre-vierbeiner-wer-fuehrt-den-hund-vom-chef- gassi-1435384.html (abgerufen am 24.11.2016). ↩︎

  4. Lang, Anette (2009). Ein Hund für Obama. Der Herrscher als Herrchen. Taz, 31.01.2009, online unter http://www.taz.de/!5168703/ (angerufen am 24.11.2016). ↩︎

  5. Ronge, Tobias (2011). Das Bild des Herrschers in Malerei und Grafik des Nationalsozialismus. Eine Untersuchung zur Ikonografie von Führer- und Funktionärsbildern im Dritten Reich. 1. Auflage, Berlin: LIT Verlag. ↩︎

  6. Burke, Peter (2003). Augenzeugenschaft. Bilder als historische Quellen. Berlin: Klaus Wagenbach. ↩︎