Rosina’s All

Erfahrungen, Träume, Einstellungen, Nachhaltigkeit, Natur, Europa, Serien und gesunde Ernährung

Der Herrscher und sein Haustier - Teil 3

Endlich ein echtes Bild - Die Bildanalyse

Bevor ich mit der Analyse starte möchte in Erinnerung rufen, was bereits in den beiden vorherigen Teilen vorgekommen ist und wichtig für die Interpretation und Identifikation des Bildmotivs ist. Besonders die vorikonografische Beschreibung liefert hier einen guten Grundbaustein, um die Motive zu identifizieren. Die Projektion menschlichen Verhaltens auf ihre Hunde sagt viel über deren Mentalität aus (Wippermann&Berentzen 1999, 8 ) 1.

Alexander van der Bellen im Präsidentschaftswahlkampf 2016

Plakat aus der Kampagne zum österreichischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 von Alexander Van der Bellen

Plakat aus der Kampagne zum österreichischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 von Alexander Van der Bellen

Auf diesem Bild sieht man einen älteren Mann mit Hemd und Jeans gekleidet. Sein Blick und seine rechte Hand zeigt hinunter auf den schwarzen Hund. Der Hund steht vor dem Mann und blickt zu ihm hinauf. Sein Schwanz ist in die Luft gestreckt. Im Hintergrund ist eine Gebirgslandschaft zu sehen. Der Mann ist gegen einen Zaunpfeiler aus Holz gelehnt und winkelt dadurch sein linkes Bein an und platziert es auf einem Zaunpfeiler. Der Mann mit seinem Hund ist mittig im Bild positioniert und der Fokus liegt auf seiner Handbewegung, die zum Hund weist. Die Landschaft im Hintergrund wirkt aufgehellt und etwas blass. Das Grün der Wiese im Vordergrund dafür sehr satt. Aufgenommen wurde es von vorne, wobei der Mann leicht seitlich steht und er blickt nicht in die Kamera, sondern zu dem Hund.

Es handelt sich hier um ein Wahlplakat von Alexander Van der Bellen zur Bundespräsidentenwahl 2016. Das Plakat wurde am 21. März 2016 im Zuge dieser Kampagne mit drei anderen Bildern in dieser Reihe vor dem Wiener Palais Schönburg präsentiert. Die Kernbotschaften sind „Österreich, Heimat, Wir, Mutig“ und aufgenommen wurde im Tiroler Kaunertal, der Heimat von Van der Bellen. Herausgegeben wurde es von der Agentur Jung von Matt/Donau (DerStandard.at 2016) 2. Sein Hund Chico ist wahrscheinlich von der Rasse her ein Deutsch Drahthaar.

Die beiden blicken sich an. Das Herrchen senkt extra den Kopf zum Hund und der Hund hat den Schwanz in der Luft. Es zeigt, dass sie eine innige Beziehung haben und durch das Kopfsenken des Herrchen wird die Machtstruktur aufgelöst. Mit einem hochgestellten Schwanz zeigen Hunde ihre Freude. Es wirkt außerdem nicht gezwungen und steif, da sich Hund und Mensch ungezwungen verhalten, man beachte das angewinkelte Bein von Van der Bellen.

Hier wird auf die freundschaftliche Tier-Mensch-Beziehung gesetzt, um den Kandidaten sympathisch erscheinen zu lassen.

Barack Obama und sein Hund

Barack Obama mit Hund Bo

Barack Obama mit seinem Hund Bo

Bildquelle siehe 3

Da die Van der Bellen Wahlkampagne sich stark an die Kampagne von Barack Obama anlehnt, liegt es nahe Barack Obama und seinen Hunde Bo, einen Portugiesischen Wasserhund, ebenfalls anzusehen.

Das Bild zeigt einen Mann in Anzug und Krawatte. In der einen Hand trägt er sein Jackett lässig über der Schulter, mit der Anderen streichelt er den Kopf seines schwarzen Hundes und blickt zu ihm. Der Hund ist in Bewegung als ob er gerade zu dem Mann hingelaufen ist. Der Mann geht sogar in die Knie, um ungefähr die selbe Höhe wie der Hund zu erreichen. Im Hintergrund sieht man eine offene weiße Tür und eine weiße Mauer. Im Vordergrund grüne Sträucher. Sie blicken nicht in die Kamera.

Das Bild wurde am 15. März 2012 im Weißen Haus von Jackson Lawrence gemacht nachdem Präsident Obama von einer Veranstaltung am Prince George’s Community College in Largo zurückgekommen ist.

Bo, zog am 14. April 2009 ins Weiße Haus ein und steht in einer langen Tradition amerikanischer Präsidentenhunde (FAZ 2012)4. Obama stellt auch eine Verbindung zu seinem Hund durch die Geste des Streichelns her und bricht damit auch die Machtstruktur. Er stellt sich sogar auf die gleiche Ebene wie der Hund, um ihm noch näher zu sein. Der Hund wirkt sehr fröhlich und erfreut über das Erscheinen seines Herrchens, der gerade von einer Veranstaltung zurückgekommen ist und sie begrüßen sich gegenseitig.

Hier tritt also auch die liebevolle Interaktion mit dem Hund auf, die den Besitzer sympathischer erscheinen lässt.

Identifizierung des Bildmotivs

Die Interaktion mit dem Hund ist die zentral und entscheidend, um das Bildmotiv zu identifizieren. Ich unterscheide zwischen zwei Bildmotiven, wobei das zweite Motiv nicht präsentiert wird.

Bei den hier gezeigten Motiven handelt es sich um Bildmotiv 1. Es wird eine starke liebevolle und freundschaftliche Beziehung zu den Hunden dargestellt und erzeugt damit Nähe, Sympathie und Menschlichkeit. In beiden präsentierten Bildern laufen die Blickrichtungen zueinander. Das Herrchen interagiert mit dem Hund und der Hund zeigt Freude und Ungezwungenheit. Voraussetzung dafür ist ein gegenseitiges Kennen und Vertrauen. Der Hund darf hier frei handeln und sendet freundliche und liebliche Signale aus, ebenso wie der Politiker.

Das zweite Bildmotiv, welches ich hier nicht präsentiere, aber auch auf vielen Herrscherportraits zu finden ist, zeigt eine hierarchische Ordnung zwischen Mensch und Hund und deutet auf ein Machtgefälle zwischen Mensch und Hund hin. Sie schauen sich nicht an, der Hund kann sich nicht frei bewegen und wirkt als ob ein Kommando ausgeübt wird oder steht meist still. Der Blick läuft nicht zueinander, sondern der Kopf des Politikers ist deutlich über dem des Hundes. Das Verhältnis wirkt meist distanziert und nicht liebevoll. Dieses Motiv soll damit Macht und Herrschaftsverhältnisse über den Hund und somit über das Volk demonstrieren und Autorität herstellen. Da hier der Hund Befehle ausübt und gut dressiert ist und dem Herrchen parieren muss.

Fazit

Man kann also unterschiedliche Motive identifizieren, warum sich ein Politiker mit einem Hund darstellt und was dies zu seiner Inszenierung beiträgt. Wer solche Motive einsetzt, muss sich jedoch bewusst sein was sie übermitteln und wie es beim Rezipienten ankommt.

Ich habe zwei gegenüberstehende Motive identifiziert: die Darstellung von Macht und Überlegenheit und die Darstellung von Sympathie. Das erste Motiv stellt die Liebe des Politikers in den Vordergrund, um ihn sympathischer erscheinen zu lassen. Er ist auf gleicher Ebene mit dem Volk und steht ihm freundschaftlich gegenüber. Es spiegelt das moderne Verständnis der Mensch-Tier-Beziehung auf gleicher freundschaftlicher, sogar familiärer Ebene wider. Beim zweiten Motiv wird der Hund benutzt, um Macht auszudrücken. Durch die Beziehung zum Hund wird die Macht über das Volk ausgedrückt. Der Hund repräsentiert das Volk, welches als Untergebene angesehen wird und der Rudelleitung zu folgen hat.


  1. Wippermann, Wolfgang und Detlef Berentzen (1999). Die Deutschen und ihre Hunde. Ein Sonderweg der Mentalitätsgeschichte? München: Siedler ↩︎

  2. DerStandard.at (2016). Plakatkampagne: Van der Bellen setzt auf Heimatliebe und Zusammenhalt. DerStandard, 21. 03 2016, online unter: http://derstandard.at/2000033311073/Plakatkampagne-Van- der-Bellen-setzt-auf-Heimatliebe-und-Zusammenhalt (abgerufen am 17.01.2017). ↩︎

  3. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:President_Barack_Obama_pets_Bo,_the_Obama_family_dog,_after _returning_to_the_White_House_from_an_event_at_Prince_George’s_Community_College_in_Largo,Md., March_15,_2012.jpg ↩︎

  4. FAZ (2012). Hohe Tiere. Schnitzel, Socks und Italia. FAZ, 30.07.2012, online unter http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/hohe-tiere-schnitzel-socks-und-italia-11837539/her-mit- dem-schnitzel-11847079.html (abgerufen am 24.11.16) ↩︎