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Sind Fleischimitate die Lösung?

mehr vegan für Fleischtiger

Hin und wieder auf Fleisch zu verzichten macht Sinn, entlastet die Umwelt und tut der Gesundheit gut. Wer aber nicht auf den Fleischgeschmack verzichten möchte für den gibt es mittlerweile eine große Anzahl an Produkten. Wer so etwas probieren möchte sollte bei Johny`s Burger in 3380 Pöchlarn vorbei schauen. Es werden viele selbstgemachte vegane und vegetarische Alternativen angeboten. Der “Gamechanger” ist auch Fleischtigern zu empfehlen und wird mit „authentischem“ Fleischgeschmack beworben. Das vegane Burgerpatty bestehend aus Erbsen/Weizen/Sojaprotein mit Pilzen, Zwiebeln, roter Rübe, Chicoree, Tomaten, Kokosnussöl und Haferflocken ist wirklich mit dem Geschmack von einem angebratenen Rindfleischpatty zu vergleichen und der Geschmack bleibt wirklich lange erhalten. Aber macht dieser Ersatz überhaupt Sinn?

Versuch Fleisch zu imitieren

Der Versuch Fleisch zu imitieren ist interessant, aber eigentlich sollten wir solchen vegetarischen oder veganen Produkten ihre eigene Etablierung lassen, sie nicht ständig mit Fleisch vergleichen oder damit bewerben und es bei dem benennen was es meistens ist und zwar Gemüse oder andere pflanzliche Produkte. Es sollte zum Normalzustand werden, dass Fleisch nicht die Hauptzutat aller Gerichte ist und es auch anders geht. Daher sehe ich auch die Herstellung und den Verkauf von Fleischimitaten und besonders deren Bezeichnung als „Schnitzel“, vegane Wurst, etc. kritisch. Beispielsweise ist laut Lebensmittelkodex die Bezeichnung Soja-Milch total falsch, da Milch nur das „durchmischte, unveränderte Gesamtgemelk einer oder mehrerer Milchtiere“ bezeichnet (BMASGK 2019 1). Oftmals wird, um die Produkte echt erscheinen zu lassen chemisch kräftig nachgeholfen und Zusatz- und Konservierungsstoffe eingesetzt, um bestimmte Klebereigenschaften und Strukturen zu erhalten. Natürlich werden auch in der Wurstproduktion Konservierungsmittel und Zusatzstoffe verwendet, die ebenfalls in größeren Mengen schädlich sein können.

Also wohl doch nicht so gesund?

Doch gesund und gut für Körper und Umwelt bleibt es, wenn es einfach ein Gemüselaibchen, Hafergetränk ist oder einen ganz neuen kreativen und eigenständigen Namen bekommt. Auf ein Produkt setzen oder eines entwickeln, welches die Stärken der pflanzlichen Stoffe in den Vordergrund stellt erscheint daher absolut sinnvoll. Beispielsweise fördert die Keimung und Fermentierung den Nährwert um ein Vielfaches und schmeckt interessant. Nichtsdestotrotz ist das Experiment aus Nicht-Fleisch auf wundersame Weise Fleisch zu machen interessant und spornt viele kreative Köche an. Auch ich als Testesserin und gelernte Lebensmittel- und Biotechnologin finde es spannend. So reizt es mich zwar solche Ersatzprodukte zu erkunden, aber genauso reizt es mich die gesundheitsfördernden Fermente der Sojabohne wie Natto oder Tempeh zu probieren. Diese haben eine lange Tradition und versuchen Fleisch nicht zu imitieren, sondern stellen eine gesunde Alternative dar.

für die Umwelt

Der Umwelt und Gesundheit zuliebe sollte man höchstens zwei bis dreimal die Woche Fleisch essen. Im Sinne der Wertschätzung dieses natürlichen Produktes sollte man auf entsprechende Qualität und Vergütung achten und nicht zum Billigprodukt greifen. Wenn schon Fleisch auf dem Tisch landet, dann bitte umso mehr genießen und es schätzen. Wenn man weiß woher etwas kommt und wie es gehalten wird, schmeckt es dann gleich noch besser. In Österreich haben wir einen hohen Standard beim Lebensmitteln. Es gelten strenge und hohe Qualitätsansprüche von der Geburt, Haltung und Fütterung bis hin zum Transport und zur Schlachtung. Der eigenen Gesundheit tut man dadurch auch etwas Gutes, denn zu viel an Fleisch und Wurst erhöht das Risiko für Krankheiten und verbraucht viele natürliche Ressourcen. Empfehlung ist es nur dann Fleisch zu essen, wenn es der Körper wirklich braucht bzw. verlangt im Sinne des intuitiven Essens. Aus Gewohnheit Fleisch zu essen sollte man sich abgewöhnen.

Aber vielleicht gewöhnen sich so, also durch Imitate und Ersatzprodukte, Fleischliebhaber an die vegetarischen bzw. veganen Alternativen und greifen auch vermehrt ohne darüber nachzudenken oder das Fleisch zu missen dazu.


  1. BMASGK (2019). Österreichisches Lebensmittelbuch. IV. Auflage, Codexkapitel/B 32 /Milch und Milchprodukte, online unter: http://www.lebensmittelbuch.at/milch-und-milchprodukte/konsummilch-und-rahm/beschreibung/definition-von-milch/ (abgerufen am 29.7.2020). ↩︎