Rosina’s All

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Regionalität und Saisonalität für eine nachhaltige Lebensweise

Regionale Betriebe unterstützen

Der Tag des Mostes, welcher am 26. April 2020 stattgefunden hätte, fällt dieses Jahr Coronabedingt aus. Das schöne Meer aus Birnbaumblüten bleibt daher vielen Menschen dieses Jahr verborgen. In den letzten Wochen konnte ich diese Blütenpracht unserer Bäume im Obstgarten genießen, da ich selbst im Mostviertel lebe. Trotzdem laden die Heurigen, Gasthäuser und Direktvermarkter zum Genuss ihrer besonderen Schmankerl ein. Den Heurigenbesuch kann man sich per Online- oder telefonischer Bestellung nach Hause holen. Genauere Infos dazu, zum Mostviertel und zum Tag des Mostes findet man unter www.mostviertel.at.

Birnbaumblüte

Birnbaumblüte im April 2020

Um die Virus-Ausbreitung zu minimieren wurden Mitte März viele Geschäfte, Betriebe, Dienstleister, öffentliche Plätze, etc. geschlossen und Veranstaltungen abgesagt. Seit Mitte April wird wieder langsam alles hochgefahren. Daher ist es besonders wichtig regionale Betriebe und Unternehmen in diesen Zeiten hoher Einkommenseinbußen zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten. Viele haben schnelle und kreative Wege gefunden, um trotzdem Produkte anzubieten und sich halbwegs über Wasser zu halten.

Definitionen zu Regionalität und Saisonalität

Beginnen möchte ich nun mit einer Definition der Begriffe Regionalität und Saisonalität. Regionalität kann unterschiedlich ausgelegt werden, denn was genau bezeichnet die Region? Ist es eine individuelle Region, Gemeinde, Bundesland oder sogar Österreich?

Laut der Motivanalyse der AMA zum Konsumverhalten der Haushalte gab der Großteil der Befragten an, dass Regionalität für sie bedeute aus der näheren Umgebung des Wohnortes bzw. bei lokalen Nahversorgern Produkte zu beziehen. Es zählen auch kurze Transportwege dazu (AMA 2020).1 Somit wird Regionalität sehr individuell ausgelegt und zum Großteil beim örtlichen Nahversorger oder Bauernmarkt bezogen. Es handelt sich um Lebensmittel die direkt in der Region verarbeitet und oder angebaut werden. Wer in einer Grenzregion lebt, kann auch Produkte aus dem Nachbarland als regional bezeichnen, wenn die Transportwege kurz sind und sie eventuell sogar im Nachbardorf angebaut und verkauft werden.

Nur 4% verbinden damit saisonale, aktuell reife Produkte (AMA 2020) 1, obwohl diese ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Was gerade in Saison ist, also gerade reif für die Ernte ist, hängt genauso von der örtlichen Gegebenheit ab und ist nicht unbedingt, wie oft im Supermarkt suggeriert wird, gerade in ganz Österreich erntereif. Denn unterschiedliche klimatische Bedingungen beeinflussen die Reifezeit. Saisonalität muss nicht unbedingt bedeuten, dass ein saisonales Produkt wirklich aus Österreich kommt. So zum Beispiel sind Mandarinen und Erdnüsse auch saisonale Produkte während der Nikolauszeit.

Somit zeigt sich, dass eine Kombination aus regional und saisonal sinnvoll ist. Besonders kurze Transportwege sind essentiell, um das Klima zu schonen, frische Produkte zu erhalten und regionale Betriebe und Direktvermarkter zu unterstützen. Denn wieso den Salat aus Tirol kaufen, wenn man in Niederösterreich lebt und es dort auch Salat gibt. Genauso gilt es umgekehrt, der Tiroler braucht nicht den niederösterreichischen Salat kaufen, wenn er selbst einen hat. Ein Austausch erscheint dann sinnvoll, wenn ein Produkt bzw. ein Ersatz nicht vorhanden ist oder in einer Notsituation. Auch innerhalb der EU kann in Zeiten von Knappheit solidarisch gehandelt und geholfen werden.

Birnbaumblüte

Birnenbaum blüht im April 2020

Informationen über regionale und saisonale Lebensmittel einholen

Bei Obst und Gemüse vereinfacht die Herkunfstangabe die Überprüfung. Verarbeitete Produkte sind da schwerer zu kontrollieren und dienen auch zur Haltbarmachung frischer Nahrungsmittel. Kaum jemand denkt im Supermarkt darüber nach, woher beispielsweise das Joghurt im Regal kommt, wie und wo es produziert wurde, welche Arbeitsschritte und Transportwege dahinter stecken. Das ist auch verständlich, da es dem Konsumenten ein ganzes Jahr im Regal zur Verfügung steht und Verarbeitungsschritte und Konservierungsmethoden die Haltbarkeit verlängern. Vielen Menschen wird dadurch auch der Bezug zu Lebensmitteln und ihrer Verfügbarkeit genommen. Es wird der Eindruck geschaffen, dass jederzeit alles verfügbar ist.

Um differenzieren zu können, was wirklich Saison hat, bietet es sich an bereits bei den Kindern einer völligen Entfremdung entgegenzuwirken und das viel diskutierte Schulfach über die Lebensmittelkunde einzuführen. Dabei soll vermittelt werden wo die Lebensmittel herkommen, wie sie produziert werden oder auch zu zeigen wie einfach es ist Produkte wie Joghurt selbst herzustellen oder haltbar zu machen. Die Seminarbäuerinnen leisten bereits einen großen Teil der Aufklärungsarbeit mit der Initiative „Schule am Bauernhof“. Eine Alternative ist auch Obst und Gemüse im eigenen Garten, in einem Hochbeet am Dach oder am Balkon anzubauen, um ein Gespür für sie zu bekommen. Es gibt bereits für kleine Balkone die Möglichkeit einige Pflanzen zu kultivieren.

Vor einigen Jahren startete ich dazu einen Selbstversuch. Ich verzichtete auf Lebensmittel nichtösterreichischen Ursprungs und stieß dabei schnell an meine Grenzen. Ich fragte mich, ob ich auf Pfeffer, Schokolade (Kakao) oder Kaffee verzichten müsse, auch wenn sie eine lange Importtradition haben. Auf jeden Fall war es eine Herausforderung, welche mit viel Verzicht, Kreativität und hohem Zeitaufwand verbunden war.

Bewusstsein über Konsumverhalten schaffen

Es geht jedoch nicht darum konsequent auf Produkte zu verzichten, da bei gewissen Genussmitteln wie Kaffee oder Kakao praktisch nie hinterfragt wird, ob es eine regionale Anbaualternative gibt. Natürlich ist es legitim diese Produkte zu konsumieren. Ich appelliere daran sich bewusst zu werden was man einkauft und konsumiert, bewusst entscheidet, vergleicht und auch regionale Lebensmittel hinterfragt.

Eine bewusste Entscheidung ist, wenn beispielsweise im Winter nicht zum Apfel aus Amerika gegriffen wird, wenn bei uns winterharte Sorten eingelagert sind. Bestimmte Nahrungsmittel können statt im Supermarkt auch direkt beim Bauern, Direktvermarkter, etc. gekauft werden, da weiß man woher es stammt, egal ob biologisch oder nicht. Es muss nicht immer die echte „Wachauer Marille“ oder das „Steirische Kürbiskernöl“ sein, es gibt auch regionale köstliche Alternativen dazu. Die Marille aus dem heimischen Garten oder vom Obstbauern nebenan schmecken genauso köstlich. Gerade bei Obst und Gemüse bestimmt der ideale Erntezeitpunkt und die rasche Konsumation den Geschmack.

Im Regionalregal im Supermarkt, am Bauernmarkt oder beim Direktvermarkter kann man auch entdecken wie innovativ österreichische Landwirte sind und vermeintlich exotische Lebensmittel wie Reis, Chili oder Zitronen kultivieren. Bei Grundnahrungsmitteln wie Brot, Milch, Eiern, Gemüse und Obst sollte schon auf regionale Produkte gesetzt werden. Das Ziel ist jedoch bewusste Entscheidungen im Geschäft, beim Händler oder Direktvermarkter zu treffen und eine gute Mischung in den Einkaufskorb zu legen.

Wer in dieser schwierigen Zeit seine Umgebung unterstützen möchte, der kauft regional, saisonal und lokal.

Dieser Beitrag wurde von mir bereits 2018 in geänderter Form auf meinbezirk.at veröffentlicht.


  1. AMA (2020). Konsumverhalten Allgemein vom 10.02.2020. Online unter: https://amainfo.at/ueber-uns/konsumverhalten-daten; zuletzt abgerufen am 24.04.2020) ↩︎